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Abschlussbericht des Projektes »Förderung der Musikkultur bei Kindern« in Kindergärten und Grundschulen der Bertelsmannstiftung
Die im September 2003 vorgelegte Projektevaluation zeigt: Musik beeinflusst die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Intensive Musikerziehung wirkt sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit, das soziale Verhalten von Kindern und das Gemeinschaftsgefühl innerhalb einer Schule aus.
Die Musikerziehung wirkte sich auch auf das allgemeine Lern- und Sozialverhalten aus: Viele Kinder konnten sich besser konzentrieren als zuvor, zeigten größeres Selbstbewusstsein, mehr Ausgeglichenheit und Gemeinschaftsgefühl sowie ein deutliches Ansteigen der Fähigkeit des Zuhörens, nicht nur im Musikunterricht, sondern auch in anderen Fächern.
Die komplette Studie im pdf.Format
Ergebnisse einer Langzeitstudie an Berliner Grundschulen
Auf der Internationalen Musikmesse 2000 in Frankfurt stellte der Musikpädagoge Prof. Hans Günther Bastian das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (Berlin) geförderte Projekt Zum Einfluss von erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern vor.
Über 1 Mio. Daten wurden in den Jahren 1992 bis 1998 an sieben Berliner Grundschulen mit musikbetonten Zügen (das heißt ein zweistündiger Musikunterricht pro Woche, das Erlernen eines Instruments sowie das Musizieren im Ensemble) und an zwei Vergleichsschulen mit konventionellem einstündigem Musikunterricht erfasst und ausgewertet.
Die Ergebnisse dieser sechsjährigen Untersuchung sind frappierend:
Der Frankfurter Musikpädagoge Bastian zieht aus seiner Studie eindeutige Schlüsse: "Unsere Ergebnisse und Erkenntnisse verlangen eine engagierte Kultur-, Bildungs- und Schulpolitik, die in unseren allgemein bildenden Schulen das Fach Musik vom Rand in die Mitte rücken". Er fordert, dass in allen Bundesländern die Grundschüler die Chance erhalten, neben einem mindestens zweistündigen Musikunterricht in der Schule ein Instrument zu erlernen und in einem Ensemble zu musizieren.
Die Vorteile der Musikerziehung sind durch die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung maßgeblich unterstützten Studie offenkundig:
Neben der Freude an der Musik und der eigenen musikalischen Begabung fördert Musikerziehung wichtige Persönlichkeitsmerkmale wie Kreativität, Konzentration, Teamfähigkeit Extraversion, emotionale Stabilität und Intelligenz.
Professor Bastian hat hierfür auch eine plausible Erklärung: "Ein Instrument zu spielen ist eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten. Schon bei einfachsten Stücken werden Fähigkeiten des Intellekts, der Grob- und Feinmotorik, der Emotion und der Sinne beansprucht."
Neurowissenschaftler wiesen Unterschiede zwischen Altersgruppen nach
LEIDEN (DDP). Achtjährige Kinder lernen auf eine andere Art als zwölfjährige. Während Achtjährige besonders auf Lob reagieren, lernen Zwölfjährige vor allem aus der Rückmeldung, dass sie Fehler gemacht haben. Auch Erwachsene benutzen diese Strategie, jedoch effizienter als die Zwölfjährigen. Solche Unterschiede lassen sich auch an Vorgängen im Gehirn ablesen.
Wie eine Gruppe von Wissenschaftlern um Eveline Crone von der Universität in Leiden herausgefunden hat, ist eine Hirnregion, die für mentale Kontrolle zuständig ist, bei den verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich stark aktiviert. Ihre Ergebnisse haben die Hirnforscher in der Fachzeitschrift „Journal of Neuroscience" veröffentlicht.
Dass Achtjährigen nach einer negativen Rückmeldung wie „Du hast es falsch gemacht" ungewöhnlich viele Fehler unterlaufen, hatten bereits frühere Studien gezeigt. Eveline Crone und ihre Kollegen verglichen nun jedoch erstmals Kinder verschiedener Altersstufen und junge Erwachsene und registrierten dabei zugleich deren Gehirnaktivität mit Hilfe der Magnetresonanztomographie.
Gehirnregionen, die für mentale Kontrolle zuständig sind, reagierten bei den acht- und neunjährigen Kindern stark auf positive und kaum auf negative Rückmeldungen, wie die Neurowissenschaftler festgestellt haben. Bei Zwölf- bis Dreizehnjährigen und bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren war das Gegenteil der Fall. Die Kontrollregionen, die Gebiete im Stirnhirn und im Schläfenlappen umfassen, waren bei negativen Rückmeldungen besonders aktiv und reagierten bei einer positiven Rückmeldung kaum. Die Forscher verwendeten bei ihrer Untersuchung eine Computeraufgabe, bei der die Testpersonen Regeln entdecken mussten. Bei der richtigen Lösung erschien ein Häkchen, bei einem Fehler dagegen ein Kreuz.
Wie Eveline Crone betonte, war sie selbst von dem Ergebnis überrascht. „Wir hatten erwartet, dass die Gehirne der Achtjährigen auf die gleiche Art arbeiten wie die der Zwölfjährigen, nur nicht so effizient", sagte sie. Möglicherweise falle es jüngeren Kindern leichter zu begreifen, dass sie etwas richtig gemacht hätten. Zu erkennen, dass man etwas falsch gemacht habe, und dann aus dem Fehler zu lernen sei wesentlich komplizierter, erklärte die Wissenschaftlerin.
Ob die Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Kindern auf die Reifung des Gehirns oder auf Lernerfahrungen zurückzuführen sind, ist noch unklar. „Vermutlich ist es eine Kombination aus beiden Faktoren", sagte Eveline Crone.
