Lauschiger Abend mit Überraschungen

Musikschulkonzert Wildeshausen am 5.6. 2014

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Gitarrenduo mit Cajon

Gute und ungewöhnliche Beiträge, entspannte Protagonisten trotz Überraschungen, aufmerksames Publikum und ein lauschiger Frühsommerabend machten das Musikschulkonzert im Saal der Musikschule am 5. Juni aus.

Katja

Katja Fast eröffnete das Konzert mit „Yo-Yo-Tricks“ und „Wilde Ponys“, zwei niveauvollen Stücken, die Katja zupackend spielte. Sie hatte das Publikum gleich im Griff.

Es folgten zwei Gitarristen, die unlängst im Klassenvorspiel positiv aufgefallen waren: Jan Lukas Martinkowski spielte sauber und flott zwei temperamentvolle osteuropäische Melodien des holländischen Gitarrenpädagogen Joep Wanders: Slowakse Dans und Hongarse Dans, Johannes Henkensiefken spielte gewohnt sicher und routiniert „Let’s boogie Beethoven“ und „He’s a jolly good fellow“.

Jan Lukas
Jan Lukas
Johannes
Johannes

Blockflötenensemble

Der erste nicht ganz alltägliche Beitrag kam von einem Blockflötenensemble der Klasse Martina Bley: „Zungenbrecher“ aus dem Jahre 2003 von Agnes Dorwarth ist ein Stück von der Sorte „Hoffentlich fängt das Publikum nicht an zu kichern!“. Darauf hatte Musikschulleiter Rafael Jung in seiner Anmoderation schon hingewiesen – trotzdem hängt das Gelingen dann von den Musikern ab.
Zwischen rhythmisch genau zu platzierenden Glissandi auf Flötenköpfen hatten die fünf Mädchen zunächst Schnalzlaute und dann mehr und mehr Silben einzustreuen, bis das Ganze zu Sprechgesang wurde, der in „Fischers Fritz fischt frische Fische…“ kulminierte. Das so gut koordiniert hinzubekommen und dabei cool zu bleiben nötigte Respekt ab und bekam verdienten Beifall!

Ben

Zurück zur Gitarre mit Ben Segelke, der den „Backwater Blues“ rhythmisch sicher spielte, und danach mit „Tapas por Guitarras“ ein spanisches Stück sehr flüssig vortrug.

Michel Seyffart ist bei mir immer gesetzt, wenn es um gute Gitarrenbeiträge geht. Unlängst erwähnte er in einem Nebensatz „das Heft spiele ich mit meinem Bruder schon mal ganz durch“ – daraufhin wurde Jannis Seyffart, Schlagzeugschüler unseres Kollegen Robert Walla mal zum Proben hergebeten.

Nun kannte ich Jannis schon von jugend musiziert – Vorbereitungskonzerten, aber wie aufmerksam und differenziert er die Stücke auf dem Cajon zu begleiten vermochte, hat mich echt begeistert. Alle Breaks, Übergänge, Schlüsse sind gespeichert, unterschiedliche Stile bekommen ihren eigenen Beat! Und die Gitarristen strengen sich an, dass sie auch „durchkommen“ – klanglich und rhythmisch sehr gute Leistung von Michel!

Jannis und Michel

Cindy

Aus der Klasse von Ichiro Asanuma kommt Cindy Huynh, die am Klavier das „Venetianische Gondellied“ von Felix Mendelssohn spielte, ein weiterer Klavierbeitrag mit Niveau.

Danach wurde es richtig spannend: Ben Howard ist ein Singer-Songwriter, mit dem sich Tobias Stölting, Gitarre und Gesang, und Jana Gärtner mit begleitenden Tönen auf dem Violoncello auseinander setzen.

Nicht unbedingt alltäglich an unserer Musikschule: ein junger Mann trägt ohne Noten, sich frei auf der Bühne bewegend Songs vor, die er selbständig erarbeitet.

Beim (ziemlich radikalen) Umstimmen zum zweiten Stück (bei arrivierten Stars reicht der Roadie die fertig gestimmte andere Gitarre aus dem Vorhang) riss dann die g-Saite der Westerngitarre, und es galt zu improvisieren: draußen im Foyer wurde ersatzhalber eine Nylonsaite auf das Instrument aufgezogen, was zwar positiv war, da eine Plastiksaite besser ist als gar nichts, aber Schwierigkeiten machte, denn so schnell hält so eine Saite nicht die Stimmung. Deshalb gab es im Saal während dieser Bemühungen gute Musik:

Elmira Heidenreich, Blockflöte, spielte begleitet von Herrn Jung zwei Sätze aus der Sonate C-dur von Telemann sehr sauber und musikalisch.

Elmira

Danach spielte Anne Elisabeth Haller, die das Programm mit Debussys „Reverie“ eigentlich beenden sollte dieses Stück wirklich schön und mit warmen Klang.

Elisabeth

Nochmal zurück zu Tobias und Jana mit zwei weiteren Stücken von Ben Howard: „Empty Corridors“ und „Follaton Wood“, einem sehr eindringlichen Lied, bei dem die Gitarre, in open tuning gebracht und mit einem Halb-Kapo präpariert auf den Schoß gelegt und wie ein Schlaginstrument traktiert wurde. Ein wirklich toller Beitrag aus der Klasse von Barbara Niemann, nicht zu vergessen die geschmackvolle Cellobegleitung (Klasse Christiane Rudolph)!

08Tobias

Das Publikum folgte gebannt bis zum Schluss und es gab viel Applaus und interessierte Gespräche.

Fotos: Ichiro Asanuma, Bericht: Ulrich Meyer

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