Schülervorspiel Hude im Oktober 2010

Gitarren kann man stimmen...

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Thore
Thore

Noch stundenlang grübele ich, wie das passieren konnte, wenn ich für meine Schüler bei einem Vorspiel die Gitarre stimme und dann beim Zuhören im Publikum sitzend wehrlos wahrnehmen muss: missglückt! Die g-Saite ist wieder mal zu hoch! Habe ich mich echt versehen? Sind die Plastiksaiten beim Anpassen an die Raumtemperatur gestiegen? „Zieht“ der Schüler die Saiten, sodass die Töne schief werden? Das schleicht einem tagelang nach…

Beim Schülervorspiel in Hude am 4. Oktober 2010 war der Flügel das „Stimm – Problem“, genauer gesagt die weissen Tasten in der zwei- und dreigestrichenen Oktave. Aber – der Reihe nach:

Der Abend wurde von zwei Gitarrenschülern eröffnet. Thore Heier spielte etwas schüchtern, aber ohne Fehler „La Guitarra espagñola“ und „Rumba moresca“, ein Stück mit vertrackter Rhythmik, gefolgt von seiner Gruppenpartnerin Saskia Kopetzki, die auch „La Guitarra espagñola“ und „Tango arabe“, beides sehr flott und mit knackigem Ton spielte.

Saskia
Saskia

Kendra

Kendra Golfels, eine junge Klavierschülerin spielte drei Stücke von John W. Schaum sehr selbstbewusst und sicher: auch sie ließ aufhorchen!

Von Dmitri Schostakowitsch spielte Hannah Rodiek, Violine, „Kleiner Marsch“, am Klavier begleitet von Herrn Asanuma.

Danach spielte Theresa Wieting, Gitarre, gewohnt sicher und schön einen Tango und ein Folkstück von Joep Wanders mit Begleitung durch den Lehrer.

Da ich vor dem Konzert gehört hatte, welches Ungemach vom Klavier ausgehen würde, sah ich jetzt von der Dramaturgie her den Moment gekommen, das Publikum etwas vorzuwarnen. Christine Labohm spielte mit „Greensleeves“ und einer Bearbeitung der „Warschauer Mazurka“ von F. Chopin aber zwei Klavierstücke, die vom Tonumfang her noch im gut gestimmten Bereich blieben.

Luisa

Beim ersten Satz der Sonatine C-Dur op 20,1 von Kuhlau, die Luisa Wieting vortrug, waren dann aber häufig genau die Tasten zu bedienen, die wirklich schlimm verstimmt waren. Man muss Klavierspieler wie Luisa schon bewundern, die an einem fremden Instrument auf großer Bühne so konzentriert bleiben und flott und mit Schwung spielen, obwohl einige Töne so klingen, dass man sich in einem schlechten Film wähnt. Trotz Instrument also eine sehr gute Leistung!

Alex und Jandrik

Jandrik Suhr und Alexander Labohm konnten wieder auf gestimmte Gitarren zurückgreifen. „En Todas las Esguinas“ und „Shambles“ von Joep Wanders klangen denn auch ordentlich, Bindungen, Griffwechsel und Stimmentausch bei Shambles gelangen.

Lara

Lara Bruns – hier beim Stimmen von Flöte zur Gitarre – spielte auf der Blockflöte mit „Greensleeves to a Ground“ ein längeres Variationsstück mit Gitarrenbegleitung ruhig, mit schöner Differenzierung der einzelnen Teile und sauberen schnellen Läufen.

Gesa

Zum Schluss zwei fortgeschrittene Klavierstücke: zunächst von Gesa Lueken der Walzer Des-Dur, der „Minutenwalzer“ von F. Chopin – wirklich sehr sauber und schön gestaltet gespielt! Und – verdienter Lohn der Mühe: es klang sauber! Nun hat Des-Dur 5 bs als Vorzeichen – da kommen die weißen Tasten kaum zu Worte, und tatsächlich war die Klavierstimmung bei diesem Beitrag gut auszuhalten.

Aljoscha

Dann spielte Aljoscha Meyer die Toccata von Aram Chatschaturjan. Hier kamen die verstimmten Saiten wieder zum Einsatz, und auch das Pedal des Klavieres scheint in Mitleidenschaft gezogen. Aljoscha hat das Stück gut gespielt, allerdings war seine Ausführung auf dem Flügel beim musikschulinternen Wettbewerb vor zwei Tagen in Wildeshausen noch etwas anderes.

So schön der Saal in Hude ist – der Flügel der Peter-Ustinov-Schule müsste irgendwie anders gepflegt werden. Darf man so etwas kritisch anmerken? Ich meine schon, denn Vorspielen auf einem richtigen Flügel (statt auf dem heimischen Digitalpiano oder dem Klavier im Unterrichtsraum) auf einer großen Bühne ist für Klavierspieler eine wichtige Erfahrung, die entscheidend zum Lernen beiträgt.
Wir Gitarristen haben es da gut: wir sind ja auch aufgeregt, aber wir haben einen guten Freund dabei: das eigene Instrument!

Ulrich Meyer

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